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Abgeschlossene Langzeitstudie

Abgeschlossene Langzeitstudie zur analytischen Langzeitpsychotherapie bei Kindern und Jugendlichen

Trotz der weiten Verbreitung analytischer Psychotherapie bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen existieren bislang nur wenige empirische Studien zur Evaluation dieser Therapieform. So wurde in Überblicksartikeln zur Psychotherapieforschung bei Kindern mehrfach ein Forschungsdefizit für analytische Verfahren festgestellt.
Eine bisher offene zentrale Frage hinsichtlich der Wirksamkeit analytischer Psychotherapie ist die nach der differentiellen Indikation für ein kurz- bzw. langzeittherapeutisches Behandlungsverfahren. Welche Kinder mit welchen Störungen profitieren von einer zeitlich begrenzten psychotherapeutischen Behandlung, und bei welchen Kindern kann erst mit einem höheren Therapieaufwand mit einer Verbesserung der Symptomatik gerechnet werden?

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, psychodynamisch orientierte Kurz- und Langzeitpsychotherapie bei Kindern und Jugendlichen zu evaluieren. Zudem sollen spezifische Wirkfaktoren und bedeutsame Merkmale des Therapieprozesses untersucht werden.

Im Rahmen eines prospektiven Längsschnittstudiendesigns erfolgte die Untersuchung analytischer Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit einem Mehrebenen-Mehrperspektiven-Untersuchungsansatz. Es konnten insgesamt N=71 Kinder in die Untersuchung eingeschlossen werden. Als Einschlusskriterien gelten das Vorliegen einer psychogenen Erkrankung und ein Alter von 6 bis 18 Jahren. Eine Einengung auf bestimmte Diagnosen wurde nicht vorgenommen, da gerade das Indikationsprofil dieses Behandlungsverfahrens ermittelt werden sollte. Ausschlusskriterien sind psychotische Erkrankungen, Suchtstörungen und akute Suizidalität.
Die gesamte Untersuchung weist mehrere Hauptmesszeitpunkte auf. Die Untersuchung beinhaltet einen ersten 'Therapie-Abschnitt' (maximal 25 Therapiestunden), in dem unter Verwendung eines Stundenrasters zu insgesamt 4 Messzeitpunkten Daten erhoben werden. Dabei wird der Stand der Kinder zum Zeitpunkt des Erstinterviews, zu Therapiebeginn und -ende von unabhängigen Experten, den Eltern und den Patienten selbst beurteilt. Während der Therapie wird von den behandelnden Therapeuten für jede Therapiestunde eine Beurteilung des Therapieprozesses (Fokusbearbeitung) und jede 4. Therapiestunde eine Einschätzung der aktuellen Symptomatik vorgenommen. Am Ende des Kurzzeittherapieabschnittes kann die Therapie in eine Langzeittherapie überführt werden. Bei Beginn dieses zweiten Studienabschnittes erfolgt eine erneute Einschätzung des psychopathologischen Befundes, der psychischen Beeinträchtigung sowie der therapeutischen Beziehung. Die Erhebungen werden unter Verwendung eines Kalenderrasters im Verlauf der analytischen Langzeittherapie in sechsmonatigen Abständen bis zum Ende der Therapie durchgeführt. Katamneseuntersuchungen werden drei und zwölf Monate nach Therapieende vorgenommen. Die Fragebogenauswahl orientierte sich sowohl bezüglich des Inhalts als auch des Umfangs an einer möglichst altersgerechten Gestaltung. In Vorstudien wurde eine Vielzahl von Messinstrumenten aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und an entsprechenden Stichproben evaluiert. Die an der Untersuchung teilnehmenden Therapeutinnen und Therapeuten haben alle eine abgeschlossene kinderanalytische Ausbildung. Die Therapien im 1. Studienabschnitt orientieren sich in ihrer Durchführung an einem Therapieleitfaden zur analytischen Psychotherapie. Die Therapeuten befinden sich in fortwährender Supervision in einer eigens für diese Studie eingerichteten Gruppen in Heidelberg, Stuttgart und Frankfurt. 29 Studientherapeuten nehmen an der Untersuchung teil.


Ergebnisse 1. Therapieabschnitt (Kurzzeittherapie)

Eine Hauptfragestellung galt dem Therapierfolg innerhalb der ersten 25 Therapiestunden. Von den insgesamt 71 Kindern und Jugendlichen konnten 17 Patienten (23,9%) bis zur 25. Stunde i.S. einer reliablen und klinisch signifikanten Reduktion der Beeinträchtigungsschwere (BSS-K) erfolgreich behandelt werden. Reliable Veränderung bedeutet nach unserer Definition eine Reduktion des Gesamtwerts der Beeinträchtigungsschwere von mindestens vier Punkten. Klinisch signifikant ist diese Reduktion des Gesamtwerts jedoch nur, wenn der BSS-K-Gesamtwert unter dem cut-off Wert von 7 Punkten liegt. Es zeigen sich jedoch differentielle Therapieerfolgsraten für störungsspezifische Untergruppen der Gesamtstichprobe. Während 62% der Patienten mit Angststörungen bis zur 25. Stunde erfolgreich behandelt werden konnten, lag die Erfolgsrate für Patienten mit depressiven Störungen nur bei 20%. Patienten mit Verhaltensstörungen zeigen bis zur 25. Stunde die geringste Erfolgsrate. Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in der Effektstärkenberechnung wieder. So liegen die Effektstärken für Patienten mit Angststörungen (ES=1,6) und Patienten mit depressiven Störungen (ES=1,3) deutlich über den Effektstärken der Patienten mit Verhaltensstörungen (ES=0,6).

Die Ergebnisse des weiteren Studienverlaufs liegen vor und werden in Kürze an dieser Stelle publiziert.


 
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