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Geschichte des Instituts

Das Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie Heidelberg e.V. steht in einer langen Tradition, die in die Nachkriegszeit zurückgeht. 1999 feierte das Institut seinen 50. Geburtstag, genauer gesagt jährte sich die Gründung des Vereins für Erziehungshilfe e.V. zum 50. Mal (1949). Erst drei Jahre später (1952) wurde dieser Verein dann Träger des Instituts für Psychagogik, eines der ersten Ausbildungsinstitute für eine tiefenpsychologisch und psychoanalytisch orientierte Kinderpsychotherapie in der Nachkriegszeit.

Die Gründungsphase ist eng mit dem Namen von Annemarie Sänger verbunden, die in einer beispielhaften Pionierleistung diese Einrichtung geschaffen hat.
1897 geboren, studierte sie als eine von wenigen Frauen Sozialwissenschaften und interessierte sich insbesondere für Fragen der psychologischen Entwicklung von Kindern und der Erziehungsberatung. In München lernte sie die Erziehungsberatungsarbeit des Adlerianers Leonhard Seif kennen, unter dessen Supervision sie erstmals vier "schwer erziehbare Jugendliche" betreute. In den Kriegsjahren ging Frau Sänger nach Berlin an das 1936 gegründete Deutsche Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie. Hier wurde der Versuch unternommen, in einem problematischen Schwanken zwischen Anpassung und Widerstand eine Möglichkeit der psychoanalytischen Weiterbildung zu retten, die in der Nazi-Zeit verfolgt wurde.

Bereits vom Berliner Institut aus hatte sie wiederholt Betriebsleiter der BASF in Ludwigshafen psychologisch beraten. 1944 holte Prof. Siebek, der damalige Direktor der Ludolf-Krehl-Klinik in Heidelberg, Frau Sänger als Therapeutin an seine Klinik. Sie beriet - heute würden wir sagen: supervidierte - Stationsärzte hinsichtlich ihres Umgangs mit Patienten und organisierte eine psychologische Fortbildung für die Mitarbeiter.


Nach Kriegsende 1946 richtete sie in ihrer am Neckar gelegenen Wohnung die erste Erziehungsberatungsstelle ein, die sie Stelle für tiefenpsychologische Elternberatung und Kinderpsychotherapie nannte. Durch zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge gelang es ihr, viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Heidelbergs für die Arbeit der Erziehungsberatung zu interessieren und in die Pflicht zu nehmen. Als 1949 der Verein für Erziehungshilfe e.V. gegründet wurde, gehörten zu ihren Mitbegründern Prof. Victor von Weizsäcker, die Leiter der Universitätskliniken für Innere Medizin, Prof. Siebeck und Prof. Oehme, der Soziologe Alexander Rüstow sowie der Rektor der Universität, Prof. Geiler. Marianne Weber, Marie Baum und andere bekannte Persönlichkeiten Heidelbergs gehörten ebenfalls zu den Mitbegründern. Sie hatten sich vorgenommen, die von Annemarie Sänger geschaffene und aus eigenen Mitteln getragene Einrichtung auf eine breitere, ökonomische Basis zu stellen und zu erweitern.

In den Anfängen finanzierte HICOG, die Frauenorganisation der amerikanischen Besatzung, ein von Frau Sänger geleitetes Pilotprojekt in den Räumen des Amerikahauses: In einer sog. Elternschule wurden Eltern und Erzieher mit den Elementen der psychologisch geführten Erziehung vertraut gemacht. Frau Sänger entwickelte eine umfassende Vortragsaktivität, um dem Gedanken eines tiefenpsychologischen Verstehens von Kindern und Jugendlichen in ihrer Entwicklung und den Störungen der Entwicklung Geltung zu verschaffen. Dabei war ihr besonders wichtig, den in Erziehung und Beratung tätigen Professionen eine tiefenpsychologische Verstehensweise zu vermitteln. Nur so sah sie eine Hoffnung, auch schwerer gestörten Kindern und Jugendlichen überhaupt eine Entwicklungschance geben zu können. Es handelte sich ja um eine Generation von Kindern und Jugendlichen, die unmittelbar und mittelbar durch die Traumatisierungen von Krieg, Vertreibung und Vernichtung geprägt worden war. Erziehungsberatung, psychologische Beratung und Psychotherapie im umfassenden Sinne waren also am Institut von Anfang an eng miteinander verbunden. In gewisser Weise stand diese Entwicklung auch im Zusammenhang mit dem pädagogisch-demokratischen Erziehungsauftrag, dem die Amerikaner in Deutschland Geltung verschaffen wollten, um dabei zu helfen, den Schrecken von Krieg und Nationalsozialismus zu überwinden und dafür zu sorgen, daß der Totalitarismus in Deutschland keinen Nährboden mehr findet.


Bereits im zweiten Jahr des Bestehens der Beratungsstelle, also 1951, wurden 67 Kinder behandelt. Die Stadt konnte damals monatlich 200 DM zur Honorierung der therapeutischen Tätigkeit beitragen. Die Mitglieder des Vereins, interessierte Eltern und Fachleute, trugen wesentlich die Arbeit des Instituts mit. Neben der erziehungsberaterischen Tätigkeit entwickelte sich das Institut zu einer Einrichtung, in welcher "Kinder- und Jugendlichentherapeuten" ausgebildet und unter fachkundiger Anleitung mit der Erziehungsberatung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen betraut wurden. Neben Frau Sänger war es Frau Strauß-Kloebe, eine ebenfalls aus Berlin kommende Kindertherapeutin, welche die Ausbildung in wesentlichen Zügen mitbestimmte.
In den 50er Jahren schälte sich der Beruf des psychoanalytischen Kinder- und Jugendlichentherapeuten langsam deutlicher heraus. Dieser Prozeß ist im Zusammenhang mit der aus der Emigration zurückgekehrten Psychoanalyse zu sehen, die sich in der Zwischenzeit in den USA und England stürmisch entwickelt hatte. Nun konnte der durch die Nazi-Herrschaft zerrissene Faden wieder aufgenommen werden und man bezog sich wieder auf die Pioniere der Kinderanalyse, besonders auf Anna Freud und Melanie Klein. Aus den tiefenpsychologisch orientierten Kindertherapeuten - den Psychagogen - wurden Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, aus dem Institut für Psychoagogik wurde das Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie.

1956 bewilligte der Landtag Baden-Württemberg einen regelmäßigen Zuschuß von 20.000 DM. Dadurch konnten erstmals Angestelltengehälter bezahlt und ein psychotherapeutischer Arzt für die Arbeit gewonnen werden. Die Aufgaben des Instituts waren damit in einer Dreiteilung formuliert, nämlich: Beratung und Behandlung, Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

1958 bezog das Institut das Haus in der Posseltstraße, welches ihm von Frau Strauß-Kloebe zur Miete überlassen worden war. Als 1971 neurotische Störungen von Kindern und Jugendlichen als Krankenkassenleistung anerkannt wurden, eröffneten sich für das Institut neue Möglichkeiten: Die Psychotherapien im Hause konnten, sofern es sich um Störungen von Krankheitswert handelte, mit den Krankenkassen abgerechnet werden, wodurch das therapeutische Angebot deutlich erweitert werden konnte. Mit dieser Entwicklung eng verknüpft war die Beteiligung und Präsenz der Medizin durch psychoanalytisch ausgebildete Ärzte. Die Psychotherapie etablierte sich in dieser Zeit im ärztlichen Versorgungsbereich als eine eigene Fachgruppe. Über einen Zeitraum von 16 Jahren leitete Dr. med. Hermann Fahrig das Institut. Er hatte seine analytische Ausbildung am Institut für Psychotherapie in Berlin gemacht und viele Jahre bei Frau Prof. Dührssen im AOK-Institut mit Kindern gearbeitet. Geprägt von der neoanalytischen Schule entwickelte er eine rege Forschungstätigkeit, wobei er besonders der Frage nachging, was in der Kinderpsychotherapie wirkt und therapeutisch wirksam ist.


Seit 1994 ist das Institut unter der Leitung von Dr. med. Klaus Winkelmann mit seinen Mitarbeitern bestrebt, seinen Aufgaben der Beratung, der Therapie, der Ausbildung und der Öffentlichkeitsarbeit anbetrachts der veränderten sozialpolitischen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. 2 Außenstellen in Ladenburg und Eberbach kommen den ratsuchenden Klienten aus entfernteren Regionen des Rhein-Neckar-Kreises entgegen. Die Beratungsstelle ist fest in das System der Jugendhilfe der Stadt Heidelberg wie des Rhein-Neckar-Kreises eingebunden. Dem wachsenden Bedarfsdruck in allen Bereichen der Jugendhilfe versucht man gerecht zu werden, indem das Institut z.B. ein niederschwelliges Angebot für Eltern und Alleinerziehende, die mit ihren Kindern in Not sind, aber auch für ratsuchende Jugendliche zur Verfügung stellt. Dem zunehmendem Bedarf an Beratung im Zusammenhang mit Scheidung und Trennung wird Rechnung getragen, auch hier liegt der Schwerpunkt auf der differenzierten Diagnostik der Nachscheidungskrise im Sinne erlebnisreaktiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Die innere Welt des Kindes oder des Jugendlichen, die Dynamik von innerseelischen Kräften in ihrer Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Realität steht im Zentrum des praktischen und auch theoretischen Interesses. Das Angebot, dem betroffenen Individuum Einsicht auf seiner ihm möglichen Verständnisebene zu eröffnen, steht deshalb ganz im Zentrum der Arbeit. Beratung, ressourcenorientierte Unterstützung wie auch der pädagogische Anteil der Arbeit kann erst dann zum Tragen kommen, wenn die Berater und Therapeuten die innere und äußere Dynamik der Problematik verstanden haben. In diesem Prozeß werden die Klienten selbst zum Entdecker und Forscher ihrer eigenen Konflikte und Ressourcen. Insofern steht wenige die Beratung als solche im Vordergrund als vielmehr das Angebot einer hilfreichen Beziehung, die neue Sichtweisen ermöglicht, so daß sich die Zukunft wieder mit Hoffnung füllen kann.


 
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