Beratung städtischer Kindertageseinrichtungen
Im Rahmen der strukturellen Angebote hat die Stadt Heidelberg die Psychologischen Beratungsstellen beauftragt, in Form von Beratung und Supervision an städtischen Kindertageseinrichtungen tätig zu werden.
Unser Institut hat seit 2006 die Betreuung von 5 Einrichtungen übernommen, die direkt vor Ort in ihrer Kindertagesstätte einmal im Monat unser 2-stündiges Beratungsangebot für ihre Belange und Bedarfslage nutzen können.
Auf dem Boden unserer beruflichen Qualifikation umfasst unsere Arbeit dort folgendes:
v Beratung der Erzieherteams
· Einzelfall- und gruppendynamisch orientierte Beratung der ErzieherInnen hinsichtlich entwicklungs- und verhaltensauffälliger Kinder
· Supervision und fachliche Begleitung im Rahmen der Elternarbeit, insbesondere bei komplexer Problemlage
v Diagnostische Hilfen
· Hospitation im Gruppengeschehen mit dem Ziel einer psychologisch-heilpädagogischen Ersteinschätzung
· differenzierte Entwicklungsdiagnostik im Einzelfall
v Elternarbeit
· offenes Beratungsangebot für Eltern direkt vor Ort
· Mitgestaltung von Elternabenden zu spezifischen Themen der kindlichen Entwicklung und elterlicher Kompetenz in Erziehungsfragen
Wir blicken nun auf 1 Jahr Beratungstätigkeit zurück und möchten unterstreichen, dass wir die vielfältige Arbeit mit den engagierten Erzieherteams in den Tagesstätten sehr gerne machen.
Als Schwerpunkt in der Bedarfslage der Einrichtungen kristallisierte sich die Fachberatung der ErzieherInnen heraus, die sich in ihrer anspruchsvollen Berufspraxis doch zunehmend vor schwierige (Erziehungs-)Herausforderungen gestellt sehen. In wachsendem Maße sind die Fachkräfte mit Entwicklungsproblemen und Verhaltensauffälligkeiten im kindlichen Werdegang konfrontiert und stehen hierbei nicht selten vor mehr oder weniger großen Schwierigkeiten in der begleitenden Arbeit mit den Eltern.
Unsere Beratung und Supervision war auf diese Problembereiche sehr stark fokussiert:
Im gemeinsamen Diskurs mit den ErzieherInnen waren wir im Einzelfall von individuell bedeutsamen diagnostischen Fragestellungen um Kind/Eltern bzw. Familien geleitet, die der Klärung jeweils vorhandener Beziehungs-, und damit Erziehungs-Verhältnisse diente. Entwicklungspsychologisches Fachwissen wurde aufgefrischt, um (heil-)pädagogische Bedeutsamkeiten erweitert und unter analytischer Perspektive hinsichtlich psychodynamischer Wirkfaktoren vertieft.
Unter diesen Vorzeichen konnten handlungsleitende Anregungen und Impulse entwickelt werden und in den pädagogischen Tagesstättenalltag mit Kindern und Eltern Eingang finden. Letztlich resümieren viele ErzieherInnen eine entscheidende Wirksamkeit durch die eigene veränderte (Erziehungs-)Haltung, die innerhalb unserer Fachberatung aufgrund eines vertieften Problemverständnisses wachsen und in weiten Teilen fruchtbar gemacht werden konnte.
Nach wie vor ist es uns primäres Anliegen, dass die Fachkräfte nicht nur die praktische Realisierbarkeit, sondern die adäquate Wirksamkeit „neu bzw. anders entwickelter Wege“ in praxi überprüfen, gegebenenfalls erneut in die Supervision aufnehmen und dort hinterfragen. Denn sowohl im erzieherischen Handeln als auch in der Elternarbeit haben sich veränderte Einstellungen und Umgangsformen vorrangig in einer alltäglichen Lebenswirklichkeit zu bewähren.
Grundsätzliche Erziehungsfragen entzündeten sich häufig auch dort, wo erschwerte psychisch-emotionale Entwicklungen und kognitiv-intellektuelle Ansprüche (bzw. Überfrachtungen) im Zeitgeist eines zuweilen „einseitig aufgeladenen“ Bildungsanspruches auseinander klaffen. In diesem Spannungsfeld stehen die Mitarbeiter in ihren erzieherischen Bemühungen zum Teil vor deutlichen Konflikten und Grenzen.
Neben der fallbezogenen Supervision ging es immer auch um die Auseinandersetzung der ErzieherInnen mit ihrem Arbeitsauftrag, ihrer Rolle und ihrem professionellen Berufsverständnis, das es im Sinne eines „inneren Qualitätsmanagements“ zu klären und zu sichern gilt. Hieran geknüpft erfüllte das realistische und ausgewogene Abstecken eigener Grenzen und Möglichkeiten zum Teil wichtige psychohygienische Funktionen.
Insgesamt trafen wir auf ein verantwortungsbewusstes und reflexives berufliches Handeln der pädagogischen Mitarbeiter. Neben einem fachlich differenzierten Interesse und feinfühliger Einstimmung auf die jeweilige Problemlage fanden wir eine offene und (selbst-)kritisch konstruktive Haltung der Teams vor, was die gemeinsame Arbeit bis heute sehr lebendig und kreativ werden lässt.
Aus der Arbeit an den Kitas heraus konnten 6 Familien/Kinder an unserem Institut therapeutische Begleitung finden. Über die Dauer eines halben bis ganzen Jahres konnten die Kinder in einer Frequenz von 1 Stunde wöchentlich von dem therapeutischen Angebot profitieren; den Eltern wurde je nach Bedarfseinschätzung eine mehr oder weniger hochfrequente Unterstützung und Beratung zuteil (1-2x monatlich).
Darüber hinaus kam es bei 3 weiteren Familien zur diagnostischen Abklärung in unserem Haus. Hier wurde unsererseits an übende therapeutische und entwicklungsfördernde Hilfen (z.B. Ergotherapie/Logopädie/Frühförderstellen) und an niedergelassene KindertherapeutInnen weitervermittelt.
2 weitere diagnostische Phasen waren bis zum Jahresabschluss eingeleitet.
4-malig kam es auf Wunsch der Fachkräfte in einigen Kindergartengruppen zu Hospitationen mit besonderem Augenmerk auf einzelne Kinder.
In 5 weiteren Einzelfällen wurde ein niederschwellig angelegtes Beratungsangebot ausschließlich für die Eltern (vor Ort in der Kita bzw. in unserer Beratungsstelle) unterbreitet und genutzt.
In dringlichen Angelegenheiten standen wir den Fachkräften der Kindertagesstätten zur zwischenzeitlichen telefonischen Beratung zur Verfügung.
Für das kommende Jahr 2007 ist bereits die Mitgestaltung eines pädagogischen Planungstages (zu den Themen „Elternarbeit“ und „Verhaltensbeobachtung von Kindern“) sowie die Vorstellung und Beteiligung unserer Beratungsstelle im Rahmen von Elternabenden geplant.
